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Wissenschaftliches Profil

Im Arbeitsbereich ‚Allgemeine Inklusionspädagogik‘ forschen und lehren wir mit Fragen nach vieldeutigen und instabilen historischen und aktuellen Konstruktionen von Teilhabe, Teilnahme und (Nicht)Behinderungen sowie den damit verbundenen Machtverhältnissen. Dabei stehen zum einen Ansprüche gesellschaftlicher Inklusion zur Diskussion, zum zweiten Widersprüche, die sich mit diesen Ansprüchen verbinden und zum dritten Einsprüche gegen die Weisen institutioneller und lebensweltlicher Praxen der Inklusion/Exklusion im Zusammenhang mit vielfältigen Aspekten gesellschaftlicher und sozialer Ungleichheit.

Im Arbeitsbereich Allgemeine Inklusionspädagogik forschen und lehren wir mit Fragen nach vieldeutigen und instabilen historischen und aktuellen Konstruktionen von Teilhabe, Teilnahme und (Nicht)Behinderungen sowie den damit verbundenen Machtverhältnissen.

Die Differenzkonstruktion Inklusion/Exklusion ist eine Unterscheidung, die uns als inklusionspädagogisch motivierte Erziehungswissenschaftler:innen in Forschung und Lehre vielfach leitet. Mit diesem Einsatz stehen sowohl Ansprüche der Teilhabe aller Personen an inklusionsorientierten Strukturen und Praxen zur Diskussion als auch Widersprüche, die sich mit diesen Ansprüchen verbinden. Zudem werden Einsprüche gegen die Arten der beanspruchten Teilhabe im Zusammenhang mit vielfältigen Aspekten gesellschaftlicher und sozialer Ungleichheit aufgerufen.

Mit dem Ausdruck ‚inklusionsorientiert‘ verweisen wir auf Selbstbeschreibungen pädagogischer Theorien und Praxen in unterschiedlichen organisatorischen Formen, welche die Ziele chancengerechter Teilhabe, Teilnahme und (Nicht)Behinderungen thematisieren. Darüber hinaus nutzen wir diese Zuschreibung in unseren Betrachtungen interdisziplinärer handlungs- und grundlagentheoretischer sowie bildungs- und sozialpolitischer Darstellungen von Inklusion/Exklusion.

Der Differenzkonstruktion Behinderung/Nichtbehinderungen widmen wir uns insbesondere mit den Fragen: Wie (de-)legitimiert pädagogisches Wissen die Kategorie Behinderung? Wie (de-)legitimiert die Kategorie Behinderung pädagogisches Wissen? Mit einer Aufmerksamkeit für die Kontingenz und (De)Legitimität jeglicher Konstruktionen von Behinderungen und Nicht-Behinderungen beschreiben und analysieren wir in welchen Weisen inklusionsorientierte politische und pädagogische ebenso wie erziehungswissenschaftliche Verständnis-, Anerkennungs- und Interaktionspraxen sich legitimieren und an Grenzen kommen.

Diese Zugänge begründen die Vielfältigkeit unserer Theorie- und Praxisperspektiven auf das Thema Inklusion/Exklusion. Dazu gehören z.B. Einsätze der Erziehungs- und Bildungstheorie, der Allgemeinen Pädagogik, der Schulpädagogik, der sogenannten Differenzpädagogiken, soziologischer Theorien und Ungleichheitsforschungen, politisch-philosophischer Theorien und Praxisreflexionen sowie der Cultural Studies. Unsere Lesarten dieser Einsätze und ihrer Verschränkungen geben vielstimmigen Vorstellungen von Inklusion und Exklusion Raum, beziehen diese aufeinander, ohne sie gegeneinander auszuspielen oder ineinander aufgehen zu lassen. Mit diesem Verständnis stellen sich empirische Inklusionsforschungen und theoretische Einsätze inklusionsorientierter Erziehungswissenschaft als kontingente situierte Perspektiven, gleichermaßen wissenschaftlich-begründete wie streitbare und unabgeschlossene Positionierungen der Diskussion.

Wir verorten uns mit unserem Selbstverständnis in der Martin-Luther-Universität, der Philosophischen Fakultät III – Erziehungswissenschaften und im Institut für Rehabilitationspädagogik als demokratische Institutionen, die wir als plurale Gemeinschaften im wissenschaftlichen Streit voneinander Lernender positionieren; in einem Streit z. B. um theoretische Verständnisweisen der Differenzkonstruktion Inklusion/Exklusion ebenso wie um Politiken und politische Kulturen der Inklusion/Exklusion.

Als Arbeitsbereiche Allgemeine Inklusionspädagogik und Körperpädagogik arbeiten wir auf vielstimmige Weise an pädagogischen Fragestellungen mit dem Fokus auf Inklusion/Exklusion, Körper und (Nicht-)Behinderung. Zugleich versammeln beide Arbeitsbereiche je eigene Auseinandersetzungen zu Erziehung und Bildung, die in Forschung, Lehre und Beratung verantwortet werden. Vorstellungen von Inklusion/Exklusion, Körper und (Nicht-)Behinderung verstehen wir als Ergebnisse gesellschaftlicher Aushandlungen. Mit ihnen werden Differenzen aufgerufen, die in ihren Verschränkungen untereinander und in Verbindung mit weiteren Differenzen spezifische Frage- und Problemstellungen ergeben.

Wir forschen an gemeinsamen und eigenständigen Projekten mit verschiedenen theoretischen, methodologischen und methodischen Zugängen. Mit unseren pädagogischen Fragestellungen positionieren wir uns in Bezug auf gesellschaftliche Verhältnisse. Hierfür verschränken wir inklusions- und körperpädagogische Themen mit sozialen, politischen und kulturellen Bedingungen. Unsere unterschiedlichen Einsätze erzeugen sowohl gemeinsame als auch widerstreitende Argumentationsweisen. Dabei verbinden sich etwa kritische, phänomenologische, dekonstruktive sowie feministische, postkoloniale und neomaterialistische Theorien mit inklusions- und körperpädagogischen Fragen. In ihrer Unterschiedlichkeit beanspruchen sie ein gegenseitiges Einlassen auf Andere in den damit verbundenen wissenschaftlichen Praxen. Maßgeblich hierfür ist es, neutrale Blickpositionen von Wissenschaft infrage zu stellen und heterogene Verstrickungen in die Forschungsgegenstände selbst anzunehmen.

Ein solches Verständnis eröffnet auch den Streit um verschiedene Auffassungen vom Pädagogischen als relationales Geschehen sowie von Pädagogiken. Davon ausgehend fordern uns Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten sowie die damit verbundenen differenten Lebenslagen pädagogischer Adressat*innen heraus. Sie machen Erziehung, Bildung und Wissenschaft als Machtverhältnisse thematisierbar. Diese Auseinandersetzungen bewegen uns, inklusions- und körperpädagogisch gelesene Theorien, Konzepte und Praxen zu hinterfragen. Erziehungs- und Bildungsangebote sowie Forschungen werden so zu möglichen Antworten auf gesellschaftliche wie individuell-situative Ansprüche. Pädagog*innen und Wissenschaftler*innen werden zu Angesprochenen.

Auf unterschiedliche Weise nehmen uns diese Ansprüche in Inklusionspädagogik und Körperpädagogik als Pädagog*innen und Wissenschaftler*innen in Verantwortung. Sie prägen unsere Praxen von Forschung, Studium und Lehre.

Selbstverständnis des Arbeitsbereiches Allgemeine Inklusionspädagogik

Der Arbeitsbereich Allgemeine Inklusionspädagogik verortet sich inhaltlich in der Allgemeinen Erziehungswissenschaft, ausgerichtet als kulturwissenschaftliche Erziehungswissenschaft mit dem Fokus auf Inklusion/Exklusion und (Nicht-)Behinderung. In diesem Selbstverständnis steht er auch in Verbindung mit einer Allgemeinen Rehabilitations-, Sonder- und Behindertenpädagogik sowie der Integrationsbewegung und -pädagogik.

Forschung
In unseren Forschungen beziehen wir uns auf Einsätze der Erziehungs- und Bildungstheorie, Schulpädagogik, Sozialpädagogik sowie der Migrationspädagogik. Soziologische Theorien und Ungleichheitsforschungen, philosophische Theorien und die Cultural,- Disability- und Gender Studies regen uns in verschiedenen Forschungsprojekten an. Mit diesem breiten Zugang widmen wir uns theoretisch und empirisch forschend Fragen von (Nicht-)Behinderungen sowie Ansprüchen chancengerechter Teilhabe und Teilnahmen. In diesem Zusammenhang werden Einsprüche gegen die Arten der beanspruchten Teilhabe im Zusammenhang mit vielfältigen Aspekten gesellschaftlicher und sozialer Ungleichheit aufgerufen. Damit verbindet sich ebenfalls die Analyse von Macht, Gewalt und Diskriminierung in pädagogischen Konzepten und Praxen, aber auch das Eintreten für Ansprüche von Inklusion.

Lehre
In der universitären Lehre setzen wir uns mit den vielstimmigen Vorstellungen von Inklusion/Exklusion und (Nicht-)Behinderung und ihren jeweiligen theoretischen Legitimationen auseinander. Zugleich reflektieren wir institutionelle und lebensweltliche Praxen. Den Fokus richten wir dabei auf inklusionsorientierte Bildungsangebote und pädagogische Konzepte sowie grundlegende Fragen von inklusionspädagogischer Professionalität. Konzepte von Heterogenität, Alterität, Normalität, Normativität, sozialer Ungleichheit, Teilhabe, Ausgrenzung und (Nicht-)Behinderung werden dabei zu Bezugspunkten gemeinsamen Studierens.

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